Schlagwort-Archive: Wahlen

Zu viele Kreuze für Bosnien – als Wahlbeobachter in Sarajevo

In Bosnien und Herzegovina wurde am 12. Oktober gewählt. Das Land ist seit dem Jugoslawienkrieg ethnisch zersplittert und hat ein  kompliziertes politisches System mit drei Präsidenten an der Spitze. Ein Erfahrungsbericht des Wahlbeobachters Jan Liebnitzky.

Es ist Punkt 7 Uhr in der Frühe und viel zu kalt. An den Wänden hängen gebastelte Eiffeltürme und Verkehrszeichen. Geschlagene acht Minuten verbringt die erste Wählerin hinter der weißen Pappwand. Wir hingegen sitzen bereits seit einer Stunde auf zu kleinen Stühlen im Klassenzimmer der 5a in der Altstadt in Sarajevo. Wir sind Marije aus den Niederlanden und Jan aus Deutschland von AEGEE Europe. An unserer Jacke hängt ein eingeschweißtes rosa Kärtchen, welches uns als internationale Wahlbeobachter akkreditiert. Zu dieser Unzeit beobachteten wir müde die Zählung der leeren Wahlzettel in 25er Bündeln, schüttelten die Wahlurne um zu prüfen ob sie leer ist und schauten nach ob sie fachgerecht versiegelt  wurde.


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Und täglich grüßt der Präsident

Zu Putins Amtsantritt ein Blick zurück: Dieses Cover veröffentlichte die „New Times“, eine russische Wochenzeitung, Ende Februar zur Präsidentenwahl. Die im Stil russischer Unterweltgestalten tätowierten Finger erzählen, sie gehörten „Wowa aus Piter“, sprich „Wladimir aus St. Petersburg“. Dieser Wowa tritt mit dem Segen der orthodoxen Kirche eine dritte Amtszeit an, als deren Symbole neben dem Kreml die Logos der Energieriesen Gasprom und Rosneft stehen. „Ob die Redakteure schon die Koffer packen?“, fragte ein Nutzer im russischen Internet, als der mutige Titel erschien. Noch jedenfalls wird das Magazin gedruckt.


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Wahlkampf, Bolschoi und Fremdenhass – Notizen aus Moskau

Zwischen Russland und Deutschland liegen nur 20 Minuten. Der Flieger hebt um 17.20 in Moskau ab und landet um 17.40 in Köln. Die drei Stunden, die die beiden Länder trennen, sind eine kurze Zeit. Ich nutze sie, um über Dinge nachzudenken, für die im hektischen journalistischen Alltag keine Zeit war. Vor drei Jahren hatte ich Russland verlassen, jetzt habe ich dort wieder anderthalb Monate verbracht. Hier sind die Dinge, die mir aufgefallen sind:

Fremdenhass als Alltagssache

Im November ist es sehr kalt in Moskau. Ich brauche unbedingt Einlegesohlen für meine Schuhe. Die findet man – wie allen anderen Kleinkram – in den Übergängen der Metro. Vor mir in der Schlange steht ein dunkelhaariger Mann, der mit Akzent Russisch spricht. Er kauft gleich zwei Paar und bittet die Verkäuferin um einen Preisnachlass. Die Oma reagiert mit einem Aufschrei: „Sogar die Russen feilschen nicht mit mir. Und wer bist du?“ – „Ich bin doch auch Russe. Ich lebe hier seit zehn Jahren“, sagt der Mann. „Egal wie lange du hier lebst, du wirst nie dazugehören. Du hast einen anderen Glauben“, erwidert die Oma und dreht sich weg.


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