Schlagwort-Archive: Tschechien

Neues aus dem Schlaraffenland

Mein Lieblingsland Tschechien hat in den letzten Wochen seinem Ruf wieder alle Ehre gemacht. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Topmanager der Kohlebergwerke Most „Mostecká Uhelná“, die nachweislich das Unternehmen als auch den tschechischen Staat um Milliarden erleichtert haben, sind verurteilt worden: zu Gefängnisstrafen kombiniert mit hohen Geldstrafen (in Millionenhöhen) – zu schön um wahr zu sein? Nicht ganz, denn alle, die glauben sich im Land geirrt zu haben, kann ich beruhigen: Keine Sorge, das Urteil wurde nicht in Tschechien gefällt, sondern in der Schweiz.


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Einige Überlegungen zu Egos

Die Politik ist voller Egos, in Tschechien wie anderswo in der Welt auch. Nur in Tschechien scheint es eine Art Vakuum zu geben, in dem sich diese Egos derart aufblasen können, dass man Angst haben muss, sie platzen gleich.

Neulich diskutierte ich mit jemandem, der diverse tschechische Politik-Egos sehr gut kennt und so kamen wir zum Vergleich der Egos von Ex-Präsident Klaus und dem neuem Präsidenten Zeman.

Beide haben ein Ego, das seinesgleichen sucht. Soweit so gut. Beide sind Sammler-Egos, aber Klaus sammelt vor allem Reichtümer, während Zeman Bewunderer sammelt. Ihm muss man andächtig zuhören, applaudieren und rechtgeben. Klaus hingegen ist das völlig egal (was seine Politik mehrmals bewiesen hat), er weiß, er hat recht, egal ob das jemand anerkennt oder nicht.

Was das Ego von Schwarzenberg angeht (der ja momentan  in einem  Diplomaten-Streit mit Zeman steckt), so kann man vermuten, dass er sein Ego nicht mit Taten oder Geld füttern muss, weil er es bereits im Namen trägt (für die, die noch nicht die Ehre hatten: Fürst Karel von Schwarzenberg, tschechischer Aussenminister). Und so blickt er eher von oben herab auf diverse Streithähne und vertritt bestimmt, etwas lispelnd, aber elegant seinen Standpunkt.

Warum sollte er sich auch in die Suppe spucken lassen, von den beiden Präsidenten-Egos, die sich in den 1990-er Jahren während des sogenannten  „Oppositions-Vertrags“ gegenseitig den Rücken gestärkt haben (1998-2002 tolerierte Klaus Zemans Minderheitenregierung nach vorgezogenen Wahlen) und nun plötzlich Mrs. Klaus als Botschafterin in die Slowakei schicken, obwohl schon längst ein anderer Kandidat hierfür bestimmt war?

Übrigens hat der Sprecher von Zeman die angeblichen Verantwortlichen für die Amnestie im Januar preisgegeben. Drei Männer aus Klaus engstem Beraterkreis sollen dieses Machtwerk konzipiert haben und natürlich will niemand etwas damit zu tun gehabt haben bzw. alle widersprechen sich gegenseitig. Nicht dass man diese Herren für Unschuldslämmer halten sollte, aber es bleibt nur zu vermuten, dass Zeman einfach nur schnell Sündenböcke vorweisen möchte. Und letztendlich damit Klaus vielleicht entlasten möchte ? Was im Grunde nicht einmal nötig wäre, dann alles was Klaus macht, ist ja richtig.


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Hoffnung trotz Zeman

Zeman und SchwarzenbergToll, nochmal fünf Jahre mit einem arroganten Präsidenten, und diesmal auch noch mit einem richtigen Grobian. Und ich habe mich schon auf einen wirklich neuen Präsidenten nach Klaus gefreut. (Das einzig Positive aus meiner sicht ist, dass Zeman die europäische Idee unterstützt).

Schwarzenberg hat mehr als 45 Prozent bekommen. Das ist gar nicht so wenig, wenn man bedenkt, dass Aristokraten, Katholiken, Emigranten und Leute mit deutschen oder österreichischen Wurzeln in Tschechien nie sonderlich beliebt waren.


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Aufbruchstimmung

karel for prezidentEine Tragödie!“, smste mir Katka letztes Wochenende, als die Stimmen so gut wie ausgezählt waren und es keinen Zweifel mehr daran gab, wen die Tschechen – erstmals per Direktwahl – zu ihrem neuen Präsidenten gewählt haben. „Ich würde am liebsten emigrieren!“

Dass Milos Zeman die Wahl gewonnen hat, ist nicht nur für meine Freundin eine bittere Ent-Täuschung. Viele, vor allem jüngere Tschechen fühlen sich desillusioniert. Zu groß und, zumindest in Prag, zu greifbar schien die Hoffnung auf einen Neuanfang. Darauf, dass Tschechien nach zehn Jahren Vaclav Klaus mit seinen Hasstiraden gegen die EU und gegen eine engagierte Bürgergesellschaft endlich wieder von einem Politiker repräsentiert wird, für den man sich nicht schämen muss.


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Studenten erwachen

Ausbildung ist kein Business! – Diplom ist keine Ware! -Wir sind keine Melkkühe! – Freiheit den Hochschulen! – Mit diesen und vielen anderen Transparenten haben vergangene Woche in Tschechien Tausende Studenten gegen das neue Hochschulgesetz demonstriert: 6000 in Brünn und 10.000 in Prag. Das neue Gesetz, so die Befürchtung, werde die akademische Freiheit beschränken. Außerdem wird mit der Einführung von Studiengebühren gerechnet.


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Professor oder Popcorn-Verkäufer?

Tschechien sucht einen neuen Präsidenten. Die Bürger wählen ihr Staatsoberhaupt künftig direkt, das hat das Parlament kürzlich beschlossen. Zwar endet die Amtszeit von Vaclav Klaus erst 2013, doch die Medien spekulieren schon jetzt über einen Nachfolger. ostpol-Autorin Vladka Jelinkova hat ganz eigene Vorstellungen – und einen klaren Favoriten.


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Abschied von Václav Havel

Mehr als 10.000 Menschen haben heute Abschied von Václav Havel genommen. Sogar die slowakische Nationalflagge war zu sehen. Die Atmosphäre war sehr bewegend. Als die Pferde den Sarg zur Prager Burg brachten, begannen die Menschen spontan zu klatschen und mit den Schlüsseln zu klingeln – ein Symbol der Samtenen Revolution, deren Held Václav Havel war.


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Unser Vater hat uns verlassen

Václav Havel, der ehemalige Präsident Tschechiens, ist am Sonntag in die Ewigkeit eingegangen. Ich weine noch, wenn ich diesen Text schreibe. Havel symbolisierte für mich Demokratie, Mut, moralische Werte, die Rückkehr nach Europa und die westliche Kultur.

Seine Zusicherung, dass Wahrheit und Liebe über Lüge und Hass siegen müssen, hat mich durch meine Kindheit begleitet. Es scheint mir, dass nicht nur ein großer Mensch von uns gegangen ist, sondern dass mit seinem Abschied auch meine Kindheit und die Kindheit unserer Demokratie endet.


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Verloren im rumänischen Banat

„Du musst es sehen! Das Banat ist einfach toll! Leute sprechen dort Alttschechisch, ackern mit Pferden und Kühen, tragen Trachten. Und wie sie kochen!“, sagten mir meine Freunde enthusiastisch, als wir uns entschieden, vor unserer Rückreise nach Prag noch einen Zwischenhalt im rumänischen Banat zu machen.

Dort, in der Nähe von der serbischen Grenze, gibt es 6 kleine Dörfer – Gerník (Gârnic, Weitzenried), Bígr (Bigăr, Schnellersruhe), Eibentál (Eibenthal), Svatá Helena (Sankt Helene, Sfânta Elena), Rovensko (Ravensca) und Šumice (Şumiţa).
Wie ist es dazu gekommen, dass es im Westen Rumäniens, mehr als 1.000 Kilometer von Prag entfernt, tschechische Dörfer gibt?


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