Schlagwort-Archive: Russland

Als gäbe es die Ukraine nicht

Die Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS) sieht sich als Diskussionsforum für die sicherheitspolitischen Interessen Deutschlands. Sie ist die ressortübergreifende Weiterbildungsstätte auf dem Gebiet der Sicherheitspolitik. Zum 20. Jahrestag des Abzugs der sowjetischen Truppen aus Deutschland lädt sie am heutigen Freitag zu einer deutsch-russischen Konferenz ein, deren Programm sich so liest, als wäre die Zeit stehen geblieben. 


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Kein Bett im Kornfeld

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Für den „Russischen Marsch‟ am 4. November wurde mit einem Plakat geworben, über das man schallend lachen könnte, wäre es nicht ernst gemeint: Umgeben von Kornähren sitzt da eine blonde Frau im bestickten Hemd und küsst ihren nackten blonden Sohn. Für alle, die es nicht verstanden haben, steht darunter “Für die Zukunft der weißen Kinder”. Mehr Blut und Boden à la slavophile geht nicht, und wir schreiben das Jahr 2013: Russland ist ein Industrieland, seine Bürger erfreuen sich an iPhones und iPads, fahren Mercedes und Ford und fliegen im Urlaub in die Türkei oder nach Ägypten. Weiter kann ein Traumbild nicht von der Wirklichkeit entfernt sein.


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Eine Frage des Maßstabes (Масштаб)

Je weiter man sich in den Urwald der russischen Sprache durchkämpft (der trotz Waldrodung immer noch unglaublich unübersichtlich scheint), desto häufiger stolpert man über herumliegende deutsche Wörter. Ganze Bäume deutscher Wörter stehen da verirrt in der russischen Taiga herum: Landschaft. Batterie. Wunderkinder. Gastarbeiter. Nur eben „russifiziert“ mit rollendem R und harter Aussprache. Das könnte ebenso deutsch mit russischem Akzent sein. Die Philologen nennen dieses Phänomen Entlehnung.


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Von der russischen Seele hinter der Autokamera

Autokamera-Videos aus Russland sind auf YouTube zu einem eigenen Genre avanciert. Meist handelt es sich um spektakuläre Unfälle oder Beinahe-Unfälle. Das Geschehen vor der Kamera ist allerdings Nebensache. Der wahre Protagonist sitzt am Steuer und bleibt unsichtbar. Sein Verdienst: er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.

Im folgenden Video gibt sich ein Mann entzückt über den Meteorioteneinschlag in Tscheljabinsk. Das Naturschauspiel ist ihm ein paar ruhig vorgetragene Sätze wert, bedächtiger Mat in Reinform.

Romantische Westeuropäer hätten an dieser Stelle etwas über die legendäre Duldsamkeit des russischen Gottesträger-Volkes zu sagen – doch solche Ausführungen, liebe Leserinnen und Leser, finden Sie nicht im Ostpol-Blog.


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Fremdschämen über die Branche

Das Deutsch-Russische Forum hat zu einem Pressegespräch anlässlich des 20. Jubiläums ins Hotel Adlon eingeladen. Die Bilanz ziehen an einem grauen Wintertag neben dem Vorsitzenden Ernst-Jörg von Studnitz der russische Botschafter Wladimir Grinin und der Sondervertreter des russischen Präsidenten, Michail Schwydkoj.  Das Lindenzimmer in der ersten Etage ist gut gefüllt, es gibt eine Reihe von Fragen.

Da meldet sich eine junge NDR-Reporterin forsch zu Wort, deren Team bei der PK dreht, und stellte die überraschende Frage: „Was können denn wir Deutschen heute noch von den Russen lernen, Herr Botschafter?“  Nachdem Studnitz sich redlich um eine etwas ausschweifende Antwort bemüht hat, folgt eine weitere Wortmeldung der Vertreterin des öffentlich-rechtlichen Senders: „Ich habe mir überlegt, was wir Medien beisteuern können“, sagt sie und da sei ihr ein Witz eingefallen: Was ist der Unterschied zwischen Putin und einem Pferd?


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Freiheit für die Strumpfmädchen

Heute beginnt der Prozess gegen Pussy Riot, jene Gruppe junger Frauen, die in Russland mit schrillen Aktionen gegen die Nähe von Kirche und Staat und die Herrschaft eines exklusiven Männerklubs über ihr Land protestiert. Am Freitag riefen mehr als hundert russische Intellektuelle die Behörden auf, die Frauen frei zu lassen. Bands wie Red Hot Chili Peppers oder Faith no more trugen bei ihren Konzerten in Moskau Pussy-Riot-T-Shirts oder bunte Strumpfmasken – das Markenzeichen von Pussy Riot. Auch Berlin ist solidarisch: Nebenstehendes Plakat, gesehen in der Kastanienallee, zitiert das „Punk-Gebet“, für das nun sieben Jahre Haft drohen.


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Alexei Nawalnys “yes we can”-Maschine

In Russland verlaufen die Bruchlinien zwischen der apathischen Mehrheit der Bevölkerung und der Opposition nicht nur entlang der Altersgrenzen. Das Problem des fehlenden Rückhalts in der breiten Bevölkerung ist inzwischen auch den Oppositionellen selbst aufgefallen – der Blogger, Aktivist und Waffenfreund Alexej Nawalny will etwas dagegen tun.


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Ein „Kontrollspaziergang“ für die Versammlungsfreiheit

Kontrolnaya Progulka, ein „Kontrollspaziergang“ fand am Sonntag in Moskau statt. Bekannte russische Kulturschaffende und Journalisten wie Boris Akunin, Dmitri Bykow und Ljudmila Ulitskaja hatten ihn initiiert. Nach Angaben der Teilnehmer waren bis zu 15 tausend Moskauer dabei. Mit dem Marsch wollten sie „kontrollieren“, ob die Versammlungsfreiheit in Moskau noch gewährleistet ist. Anlass waren Massenverhaftungen von Putin-Kritikern nach dessen Inauguration vergangene Woche beim sogenannten „Marsch der Millionen“ gewesen.


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Und täglich grüßt der Präsident

Zu Putins Amtsantritt ein Blick zurück: Dieses Cover veröffentlichte die „New Times“, eine russische Wochenzeitung, Ende Februar zur Präsidentenwahl. Die im Stil russischer Unterweltgestalten tätowierten Finger erzählen, sie gehörten „Wowa aus Piter“, sprich „Wladimir aus St. Petersburg“. Dieser Wowa tritt mit dem Segen der orthodoxen Kirche eine dritte Amtszeit an, als deren Symbole neben dem Kreml die Logos der Energieriesen Gasprom und Rosneft stehen. „Ob die Redakteure schon die Koffer packen?“, fragte ein Nutzer im russischen Internet, als der mutige Titel erschien. Noch jedenfalls wird das Magazin gedruckt.


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Schrill, laut, dagegen: Pussy Riot

Foto: ru.wikipedia.org/Igor Muchin/cc-by-sa 3.0

Am spektakulärsten war ihr Auftritt auf dem Roten Platz. In knallbunten Strumpfhosen, mit Häkelmasken auf dem Kopf und der E-Gitarre in der Hand schrien acht Punkfrauen Ende Januar ihre Wut in den Moskauer Himmel: über die Verbrecher hinter den Kremlmauern, den allmächtigen Geheimdienst und den Männerbund der Macht in Staat und Kirche.


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unEiniges Russland: St. Petersburg wacht auf

Samstag, 4. Februar – Demo-Tag auch in St. Petersburg. Bei Minus 18 Grad Celsius bringt die Petersburger Protestbewegung so viele Menschen wie nie  auf die Straße. Zwischen 15 000 und 20 000 kommen, am Tag darauf schreiben die russischen Medien “St. Petersburg wacht auf”.

Die verschieden politischen Parteien und Bewegungen laufen mit ihren Fahnen und Transparenten getrennt voneinander in Blocks: Die Liberalen nach den Kommunisten, die Nationalisten (die sich “Patrioten” nennen, und sich damit wenigstens von den noch radikaleren Neonazis abzugrenzen) hinter den Linken. Die politisch nicht Organisierten laufen mit weissen Ballons entweder ganz vorne – oder sie flanieren durch den Zug, quer durch die Blocks der verschieden politischen Strömungen.


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unEiniges Russland: Berliner Karneval für freie Wahlen

Die Demo an 4. Februar in Berlin

Die Demo an 4. Februar in Berlin

Demonstrationen für freie Wahlen haben am 4. Februar nicht nur in Russland, sondern auch in vielen Städten im Ausland stattgefunden. Eine der größten Russland-Demos gab es in Berlin. Wer organisiert die Proteste im Ausland? Und warum?


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unEiniges Russland: „meetings“ auf russische Art

„Und, was machst du so am Wochenende?“,

„Am Samstag geh’ ich erst auf ein ‚meeting‘, danach in die Kneipe… Mal sehen.“ So ein Dialog war noch vor einem Jahr – und sogar noch vor einem halben – in Russland kaum vorstellbar. Nun ist es Ende Januar, die Temperaturen liegen unter – 15 Grad, die Sonne scheint und die Russen gehen … auf „meetings“. Im Russischen wird eine Protestkundgebung als „meeting“ bezeichnet.


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unEiniges Russland: Deutlicher geht’s kaum

Gleich gegenüber der Kremlmauer, ein paar Schritte vom Roten Platz entfernt, fotografierte ein russischer Blogger heute Morgen dieses leuchtend gelbe Plakat: “Putin hau ab!”, steht darauf. Wie lange die freche Forderung dort hing, ist ungewiss. “Schade, dass er es nie lesen wird”, kommentierte ein anderer – dabei hätte Putin nur aus dem Fenster schauen müssen.


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Wahlkampf, Bolschoi und Fremdenhass – Notizen aus Moskau

Zwischen Russland und Deutschland liegen nur 20 Minuten. Der Flieger hebt um 17.20 in Moskau ab und landet um 17.40 in Köln. Die drei Stunden, die die beiden Länder trennen, sind eine kurze Zeit. Ich nutze sie, um über Dinge nachzudenken, für die im hektischen journalistischen Alltag keine Zeit war. Vor drei Jahren hatte ich Russland verlassen, jetzt habe ich dort wieder anderthalb Monate verbracht. Hier sind die Dinge, die mir aufgefallen sind:

Fremdenhass als Alltagssache

Im November ist es sehr kalt in Moskau. Ich brauche unbedingt Einlegesohlen für meine Schuhe. Die findet man – wie allen anderen Kleinkram – in den Übergängen der Metro. Vor mir in der Schlange steht ein dunkelhaariger Mann, der mit Akzent Russisch spricht. Er kauft gleich zwei Paar und bittet die Verkäuferin um einen Preisnachlass. Die Oma reagiert mit einem Aufschrei: „Sogar die Russen feilschen nicht mit mir. Und wer bist du?“ – „Ich bin doch auch Russe. Ich lebe hier seit zehn Jahren“, sagt der Mann. „Egal wie lange du hier lebst, du wirst nie dazugehören. Du hast einen anderen Glauben“, erwidert die Oma und dreht sich weg.


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