Schlagwort-Archive: Moskau

Freiheit für die Strumpfmädchen

Heute beginnt der Prozess gegen Pussy Riot, jene Gruppe junger Frauen, die in Russland mit schrillen Aktionen gegen die Nähe von Kirche und Staat und die Herrschaft eines exklusiven Männerklubs über ihr Land protestiert. Am Freitag riefen mehr als hundert russische Intellektuelle die Behörden auf, die Frauen frei zu lassen. Bands wie Red Hot Chili Peppers oder Faith no more trugen bei ihren Konzerten in Moskau Pussy-Riot-T-Shirts oder bunte Strumpfmasken – das Markenzeichen von Pussy Riot. Auch Berlin ist solidarisch: Nebenstehendes Plakat, gesehen in der Kastanienallee, zitiert das „Punk-Gebet“, für das nun sieben Jahre Haft drohen.


Veröffentlicht unter Kreml & Kulturpalast
Verschlagwortet mit , , , , ,
Hinterlasse einen Kommentar

Ein „Kontrollspaziergang“ für die Versammlungsfreiheit

Kontrolnaya Progulka, ein „Kontrollspaziergang“ fand am Sonntag in Moskau statt. Bekannte russische Kulturschaffende und Journalisten wie Boris Akunin, Dmitri Bykow und Ljudmila Ulitskaja hatten ihn initiiert. Nach Angaben der Teilnehmer waren bis zu 15 tausend Moskauer dabei. Mit dem Marsch wollten sie „kontrollieren“, ob die Versammlungsfreiheit in Moskau noch gewährleistet ist. Anlass waren Massenverhaftungen von Putin-Kritikern nach dessen Inauguration vergangene Woche beim sogenannten „Marsch der Millionen“ gewesen.


Veröffentlicht unter Kreml & Kulturpalast
Verschlagwortet mit , , ,
Hinterlasse einen Kommentar

Schrill, laut, dagegen: Pussy Riot

Foto: ru.wikipedia.org/Igor Muchin/cc-by-sa 3.0

Am spektakulärsten war ihr Auftritt auf dem Roten Platz. In knallbunten Strumpfhosen, mit Häkelmasken auf dem Kopf und der E-Gitarre in der Hand schrien acht Punkfrauen Ende Januar ihre Wut in den Moskauer Himmel: über die Verbrecher hinter den Kremlmauern, den allmächtigen Geheimdienst und den Männerbund der Macht in Staat und Kirche.


Veröffentlicht unter Disko & Pop, Gender & Mainstreaming, Kreml & Kulturpalast, Sippschaften & Seilschaften
Verschlagwortet mit , , , , ,
1 Kommentar

STATUS B. – Nackte Frauen im Notizblock

Waren Sie schon mal im Nordkaukasus? Es gibt dort hohe, wunderschöne, raue Berge und nicht weniger raue Gesetze. Ich kann Ihnen sagen, nicht jeder ist für diesen Ort gemacht. Um dort zu überleben, oder gar zu bestehen, braucht man einen sehr starken Charakter – oder überhaupt keinen. Wenn man Journalist ist – und gar Journalist einer staatlichen Zeitung (und andere gib es ganz einfach nicht) – dann kann man in diesen rauen Bergen nur überleben, wenn man sich jedes Charakters entledigt hat.


Veröffentlicht unter Biziness & Korruption, Kreml & Kulturpalast
Verschlagwortet mit , , , , , , ,
1 Kommentar

Wahlkampf, Bolschoi und Fremdenhass – Notizen aus Moskau

Zwischen Russland und Deutschland liegen nur 20 Minuten. Der Flieger hebt um 17.20 in Moskau ab und landet um 17.40 in Köln. Die drei Stunden, die die beiden Länder trennen, sind eine kurze Zeit. Ich nutze sie, um über Dinge nachzudenken, für die im hektischen journalistischen Alltag keine Zeit war. Vor drei Jahren hatte ich Russland verlassen, jetzt habe ich dort wieder anderthalb Monate verbracht. Hier sind die Dinge, die mir aufgefallen sind:

Fremdenhass als Alltagssache

Im November ist es sehr kalt in Moskau. Ich brauche unbedingt Einlegesohlen für meine Schuhe. Die findet man – wie allen anderen Kleinkram – in den Übergängen der Metro. Vor mir in der Schlange steht ein dunkelhaariger Mann, der mit Akzent Russisch spricht. Er kauft gleich zwei Paar und bittet die Verkäuferin um einen Preisnachlass. Die Oma reagiert mit einem Aufschrei: „Sogar die Russen feilschen nicht mit mir. Und wer bist du?“ – „Ich bin doch auch Russe. Ich lebe hier seit zehn Jahren“, sagt der Mann. „Egal wie lange du hier lebst, du wirst nie dazugehören. Du hast einen anderen Glauben“, erwidert die Oma und dreht sich weg.


Veröffentlicht unter Kreml & Kulturpalast, Sippschaften & Seilschaften
Verschlagwortet mit , , , , , ,
1 Kommentar