Fremdschämen über die Branche

Das Deutsch-Russische Forum hat zu einem Pressegespräch anlässlich des 20. Jubiläums ins Hotel Adlon eingeladen. Die Bilanz ziehen an einem grauen Wintertag neben dem Vorsitzenden Ernst-Jörg von Studnitz der russische Botschafter Wladimir Grinin und der Sondervertreter des russischen Präsidenten, Michail Schwydkoj.  Das Lindenzimmer in der ersten Etage ist gut gefüllt, es gibt eine Reihe von Fragen.

Da meldet sich eine junge NDR-Reporterin forsch zu Wort, deren Team bei der PK dreht, und stellte die überraschende Frage: „Was können denn wir Deutschen heute noch von den Russen lernen, Herr Botschafter?“  Nachdem Studnitz sich redlich um eine etwas ausschweifende Antwort bemüht hat, folgt eine weitere Wortmeldung der Vertreterin des öffentlich-rechtlichen Senders: „Ich habe mir überlegt, was wir Medien beisteuern können“, sagt sie und da sei ihr ein Witz eingefallen: Was ist der Unterschied zwischen Putin und einem Pferd?


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Hoffnung trotz Zeman

Zeman und SchwarzenbergToll, nochmal fünf Jahre mit einem arroganten Präsidenten, und diesmal auch noch mit einem richtigen Grobian. Und ich habe mich schon auf einen wirklich neuen Präsidenten nach Klaus gefreut. (Das einzig Positive aus meiner sicht ist, dass Zeman die europäische Idee unterstützt).

Schwarzenberg hat mehr als 45 Prozent bekommen. Das ist gar nicht so wenig, wenn man bedenkt, dass Aristokraten, Katholiken, Emigranten und Leute mit deutschen oder österreichischen Wurzeln in Tschechien nie sonderlich beliebt waren.


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Aufbruchstimmung

karel for prezidentEine Tragödie!“, smste mir Katka letztes Wochenende, als die Stimmen so gut wie ausgezählt waren und es keinen Zweifel mehr daran gab, wen die Tschechen – erstmals per Direktwahl – zu ihrem neuen Präsidenten gewählt haben. „Ich würde am liebsten emigrieren!“

Dass Milos Zeman die Wahl gewonnen hat, ist nicht nur für meine Freundin eine bittere Ent-Täuschung. Viele, vor allem jüngere Tschechen fühlen sich desillusioniert. Zu groß und, zumindest in Prag, zu greifbar schien die Hoffnung auf einen Neuanfang. Darauf, dass Tschechien nach zehn Jahren Vaclav Klaus mit seinen Hasstiraden gegen die EU und gegen eine engagierte Bürgergesellschaft endlich wieder von einem Politiker repräsentiert wird, für den man sich nicht schämen muss.


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Auf frischer Tat ertappt

Facebook-Gruppe "Fotografier den Polizisten"Die Polizei in Bulgarien genießt keinen guten Ruf. Von Vertrauen und Respekt kann keine Rede sein. Um genauer zu sein: Die Polizisten sind korrupt und sie machen den ganzen Tag nichts, das denken die meisten Bulgaren. So hat sich im Volksmund das Wort „kuki“ („Haken“) für die Polizisten etabliert, die die kleinen Fische bei „marginalen Gesetzesverstößen“ wie Falschparken oder Nicht-Beachten von Verkehrsschildern „fangen“ und „Bußgeld“, um nicht Schmiergeld zu sagen, kassieren. Zugegeben, vieles hat sich seit dem EU-Beitritt Bulgariens geändert – die Polizisten sind vorsichtiger geworden, mit vielen Methoden aus den 1990-er Jahren kommen sie nicht mehr durch. Aber dieses Bemühen hat sie beim Volk auch nicht beliebter gemacht.


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Putinsche Handarbeit

Zugegeben: Die teilweise platte Berichterstattung über Pussy Riot hat genervt, genau wie die vielen tapferen Kämpfer für die Meinungsfreiheit, die plötzlich mit einer bunten Maske über dem Kopf an jeder Ecke auftauchten. Das sah doch irgendwie mehr nach Pop aus als nach Protest.

Dieses Bild aber finde ich großartig – gefunden auf der russischen Blog-Plattform Livejournal.


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Omsk zapft is! Oktoberfest in Sibirien

Das Schunkeln ist schnell erlernt, auch wenn die Blaskapelle nur vom Band kommt. Aber an der Grenze von der Steppe zur Taiga war partout keine authentische Lederhosencombo mit Tuba aufzutreiben. Denn hier, zwei Wochen vor dem großen Original, gibt das Oktoberfest sein sibirisches Stelldichein. Es ist ein kleines, etwa 40 Leute sind gekommen, und es ist ein akademisches, denn der Schauplatz ist der deutsche Lesesaal der Puschkin-Bibliothek zu Omsk, Sibirien. Aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb herrscht hier ein ganz eigener Charme, den die vereinzelt als Exoten zum Anfassen eingeladenen Exil-Deutschen schüchtern-vergnügt wahrnehmen.

Organisiert haben die Sause die Deutsch-Lektorin des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) an der Omsker Universität und die vom Goethe-Institut entsandte Sprachassistentin des Zentrums für Deutsch. Erstgenannte, eigentlich Preußin, ist gar im Dirndl erschienen, während Letztere sich mit einer Schürze behelfen muss, dafür aber eindrucksvoll mit selbstgebackenen Brezeln punkten kann.


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Der Rechtsextreme und seine jüdische Oma

Csanád Szegedi auf einem Veranstaltungsplakat, noch vor seinem Rücktritt

Die britische Komödie „Alles koscher“ handelt vom muslimischen Familienvater Mahmud, der entdeckt, dass er als Kind adoptiert wurde. Eigentlich heißt er Solly Shimshillewitz, wie er herausfindet, denn seine leiblichen Eltern sind Juden. Um seinen Vater zu treffen, der im Sterben liegt, muss Mahmud sich im Schnelldurchlauf jüdische Traditionen aneignen – das führt zu allerhand Verwicklungen.

Manchmal schreibt das Leben noch weitaus verrücktere Drehbücher. Zum Beispiel bei Csanád Szegedi: Der heute 29-jährige Ungar wuchs als Sohn eines volkstümlichen Holzschnitzers auf, machte sich schnell einen Namen in der rechtsextremen Szene des Landes und wurde für die offen antisemitische Jobbik-Partei 2009 ins Europäische Parlament gewählt. Daneben vertrieb er T-Shirts mit rechten Motiven und war Gründer der Jobbik-Parteizeitung „Barikád“, die den Juden unter anderem eine „weltweite Verschwörung“ und „Ritualmorde“ vorwirft.


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Das Sonnenwunder von Riga

Es ist ein heißer Tag im Juli, einer der wenigen richtigen Sommertage, die der lettischen Hauptstadt Riga in diesem Jahr bisher beschieden waren. Vor der Orthodoxen Kathedrale in Rigas Neustadt haben sich zahlreiche Gläubige um drei große Ikonen versammelt. Priester gehen umher und bespritzen die Menge mit Weihwasser. Lieder werden gesungen.

Auf einmal wenden sich die Blicke gen Himmel.


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Freiheit für die Strumpfmädchen

Heute beginnt der Prozess gegen Pussy Riot, jene Gruppe junger Frauen, die in Russland mit schrillen Aktionen gegen die Nähe von Kirche und Staat und die Herrschaft eines exklusiven Männerklubs über ihr Land protestiert. Am Freitag riefen mehr als hundert russische Intellektuelle die Behörden auf, die Frauen frei zu lassen. Bands wie Red Hot Chili Peppers oder Faith no more trugen bei ihren Konzerten in Moskau Pussy-Riot-T-Shirts oder bunte Strumpfmasken – das Markenzeichen von Pussy Riot. Auch Berlin ist solidarisch: Nebenstehendes Plakat, gesehen in der Kastanienallee, zitiert das „Punk-Gebet“, für das nun sieben Jahre Haft drohen.


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Dialektik der europäischen Reisefreiheit

Ausreise verweigert

2009 war die Freude noch groß, als die EU die Visapflicht für die meisten Westbalkan-Staaten aufhob. Vorbei das stundenlange Anstehen vor den Botschaften, die unwürdigen Behandlungen und nicht zuletzt die hohen Gebühren. Doch schon bald darauf schrillten in Brüssel die Alarmglocken. Länder wie Deutschland, Belgien und Schweden hatten einen sprunghaften Anstieg der Asylbewerberzahlen festgestellt. Eine Minderheit nutzte die neue Reisefreiheit offenbar auf eigenwillige Weise – vor allem Serben und Mazedonier, und von ihnen waren so gut wie alle Roma.


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Alexei Nawalnys “yes we can”-Maschine

In Russland verlaufen die Bruchlinien zwischen der apathischen Mehrheit der Bevölkerung und der Opposition nicht nur entlang der Altersgrenzen. Das Problem des fehlenden Rückhalts in der breiten Bevölkerung ist inzwischen auch den Oppositionellen selbst aufgefallen – der Blogger, Aktivist und Waffenfreund Alexej Nawalny will etwas dagegen tun.


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Ein „Kontrollspaziergang“ für die Versammlungsfreiheit

Kontrolnaya Progulka, ein „Kontrollspaziergang“ fand am Sonntag in Moskau statt. Bekannte russische Kulturschaffende und Journalisten wie Boris Akunin, Dmitri Bykow und Ljudmila Ulitskaja hatten ihn initiiert. Nach Angaben der Teilnehmer waren bis zu 15 tausend Moskauer dabei. Mit dem Marsch wollten sie „kontrollieren“, ob die Versammlungsfreiheit in Moskau noch gewährleistet ist. Anlass waren Massenverhaftungen von Putin-Kritikern nach dessen Inauguration vergangene Woche beim sogenannten „Marsch der Millionen“ gewesen.


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Und täglich grüßt der Präsident

Zu Putins Amtsantritt ein Blick zurück: Dieses Cover veröffentlichte die „New Times“, eine russische Wochenzeitung, Ende Februar zur Präsidentenwahl. Die im Stil russischer Unterweltgestalten tätowierten Finger erzählen, sie gehörten „Wowa aus Piter“, sprich „Wladimir aus St. Petersburg“. Dieser Wowa tritt mit dem Segen der orthodoxen Kirche eine dritte Amtszeit an, als deren Symbole neben dem Kreml die Logos der Energieriesen Gasprom und Rosneft stehen. „Ob die Redakteure schon die Koffer packen?“, fragte ein Nutzer im russischen Internet, als der mutige Titel erschien. Noch jedenfalls wird das Magazin gedruckt.


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Was die Ungarn an deutschen Medien nervt

Zwei Jahre nach dem Wahlsieg der Fidesz ärgern sich viele Ungarn gleich doppelt: Einerseits natürlich über die Regierung. Dass Ministerpräsident Viktor Orbán sich zum Freiheitskämpfer gegen Brüssel stilisiert, es immer wieder auf Konflikte mit der EU ankommen lässt, aber den Staatshaushalt nicht in den Griff bekommt, bringt viele auf die Palme.

Was die Ungarn aber auch ärgert: dass manche deutsche Medien das Land auf dem Weg in eine Diktatur sehen. Und dass sie sich in ihrer Meinung zuweilen ungern durch Recherchen verwirren lassen. Ein besonders krasses Beispiel hat mir eine Journalistin zugeschickt: Hier erklärt eine MDR-Journalistin, warum Orbán Viktor jetzt sogar den Eurovision Song Contest manipuliert. Wie sie darauf kommt? Die Tatsache, dass eine Fachjury das Siegerlied ausgewählt hat, “lässt vermuten, dass die Politik ihre Finger im Spiel hatte”. Noch Fragen?


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STATUS B. – “Brillante” Aktionen

In Inguschetien wurde vor einigen Tagen eine, wie der russische Geheimdienst zu sagen pflegt, „brillante Anti-Terror-Operation“ durchgeführt: Am helllichten Tag wurden unter zahlreichen Zeugen fünf Pkw-Insassen mit Maschinengewehren erschossen. Eine halbe Stunde später ging das Fahrzeug mitsamt den Leichen in die Luft, wahrscheinlich aufgrund eingebauter Sprengsätze.

Sofort erfolgte eine heroische Pressemitteilung des Nationalen Anti-Terror-Komitees, in der  mitgeteilt wurde, dass in Inguschetien dank des bewaffneten Widerstands Terroristen getötet wurden, die schreckliche Anschläge geplant hätten. Nur erwähnte das Anti-Terror-Komitee nicht, dass sich unter den Getöteten eine 53-jährige Frau befand und dass es jede Menge Augenzeugen gab.  


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