Archiv der Kategorie: Sippschaften & Seilschaften

Zwischen Pariser Platz und Paprikawurst

Deutsch-Ungarische Beziehungen im Winter 2013

Eigentlich sollte der bereits verspätete Shuttlebus die Teilnehmer des Deutsch-Ungarischen Forums vom Auswärtigen Amt zur „Weinlese“ in die ungarischen Botschaft fahren. Stattdessen fuhr er noch eine Runde um den Pariser Platz, wobei er nicht nur das Brandenburger Tor, sondern auch eine kleinere Gruppe dort demonstrierender Ukrainer streifte. Was war geschehen?

Das Deutsch-Ungarische Forum 2013 findet dieses Jahr vom 28.-29. November im Europasaal des Auswärtiges Amtes in Berlin statt.

Das Deutsch-Ungarische Forum 2013 findet dieses Jahr vom 28.-29. November im Europasaal des Auswärtiges Amtes in Berlin statt.


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Neues aus dem Schlaraffenland

Mein Lieblingsland Tschechien hat in den letzten Wochen seinem Ruf wieder alle Ehre gemacht. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Topmanager der Kohlebergwerke Most „Mostecká Uhelná“, die nachweislich das Unternehmen als auch den tschechischen Staat um Milliarden erleichtert haben, sind verurteilt worden: zu Gefängnisstrafen kombiniert mit hohen Geldstrafen (in Millionenhöhen) – zu schön um wahr zu sein? Nicht ganz, denn alle, die glauben sich im Land geirrt zu haben, kann ich beruhigen: Keine Sorge, das Urteil wurde nicht in Tschechien gefällt, sondern in der Schweiz.


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Hungaricum

SzentOrbántér

Sankt-Orbán Platz in Budapest

„Listen Shitheads“, so beginnt ein Brief des Brüsseler Korrespondenten der regierungsnahen ungarischen Tageszeitung „Magyar Nemzet“ an die Kollegen der Auslandspresse in Ungarn. István Lovas zieht darin so richtig vom Leder. Die ausländischen Korrespondenten in Ungarn hätten die „gigantischen Skandale der Sozialisten“ vergessen zu erwähnen.


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Ich korrumpiere, du korrumpierst, wir korrumpieren…

Wenn man jedesmal, wenn in Tschechien irgendein Skandal aufgedeckt wird, einen Bericht erstatten müsste, käme man vermutlich zu nichts anderem mehr. Veruntreuung hier aufgedeckt, Veruntreuung da aufgedeckt, gespickt mit kleinen Peinlichkeiten der „Elite“ des Landes  – gefühlte 24 Stunden täglich. Es ist eigenartig, Tschechien liegt mehr oder weniger im geografischen Zentrum Europas und dennoch hat man das Gefühl in der tiefsten Bananenrepublik zu sitzen.


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Einige Überlegungen zu Egos

Die Politik ist voller Egos, in Tschechien wie anderswo in der Welt auch. Nur in Tschechien scheint es eine Art Vakuum zu geben, in dem sich diese Egos derart aufblasen können, dass man Angst haben muss, sie platzen gleich.

Neulich diskutierte ich mit jemandem, der diverse tschechische Politik-Egos sehr gut kennt und so kamen wir zum Vergleich der Egos von Ex-Präsident Klaus und dem neuem Präsidenten Zeman.

Beide haben ein Ego, das seinesgleichen sucht. Soweit so gut. Beide sind Sammler-Egos, aber Klaus sammelt vor allem Reichtümer, während Zeman Bewunderer sammelt. Ihm muss man andächtig zuhören, applaudieren und rechtgeben. Klaus hingegen ist das völlig egal (was seine Politik mehrmals bewiesen hat), er weiß, er hat recht, egal ob das jemand anerkennt oder nicht.

Was das Ego von Schwarzenberg angeht (der ja momentan  in einem  Diplomaten-Streit mit Zeman steckt), so kann man vermuten, dass er sein Ego nicht mit Taten oder Geld füttern muss, weil er es bereits im Namen trägt (für die, die noch nicht die Ehre hatten: Fürst Karel von Schwarzenberg, tschechischer Aussenminister). Und so blickt er eher von oben herab auf diverse Streithähne und vertritt bestimmt, etwas lispelnd, aber elegant seinen Standpunkt.

Warum sollte er sich auch in die Suppe spucken lassen, von den beiden Präsidenten-Egos, die sich in den 1990-er Jahren während des sogenannten  „Oppositions-Vertrags“ gegenseitig den Rücken gestärkt haben (1998-2002 tolerierte Klaus Zemans Minderheitenregierung nach vorgezogenen Wahlen) und nun plötzlich Mrs. Klaus als Botschafterin in die Slowakei schicken, obwohl schon längst ein anderer Kandidat hierfür bestimmt war?

Übrigens hat der Sprecher von Zeman die angeblichen Verantwortlichen für die Amnestie im Januar preisgegeben. Drei Männer aus Klaus engstem Beraterkreis sollen dieses Machtwerk konzipiert haben und natürlich will niemand etwas damit zu tun gehabt haben bzw. alle widersprechen sich gegenseitig. Nicht dass man diese Herren für Unschuldslämmer halten sollte, aber es bleibt nur zu vermuten, dass Zeman einfach nur schnell Sündenböcke vorweisen möchte. Und letztendlich damit Klaus vielleicht entlasten möchte ? Was im Grunde nicht einmal nötig wäre, dann alles was Klaus macht, ist ja richtig.


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Der Rechtsextreme und seine jüdische Oma

Csanád Szegedi auf einem Veranstaltungsplakat, noch vor seinem Rücktritt

Die britische Komödie „Alles koscher“ handelt vom muslimischen Familienvater Mahmud, der entdeckt, dass er als Kind adoptiert wurde. Eigentlich heißt er Solly Shimshillewitz, wie er herausfindet, denn seine leiblichen Eltern sind Juden. Um seinen Vater zu treffen, der im Sterben liegt, muss Mahmud sich im Schnelldurchlauf jüdische Traditionen aneignen – das führt zu allerhand Verwicklungen.

Manchmal schreibt das Leben noch weitaus verrücktere Drehbücher. Zum Beispiel bei Csanád Szegedi: Der heute 29-jährige Ungar wuchs als Sohn eines volkstümlichen Holzschnitzers auf, machte sich schnell einen Namen in der rechtsextremen Szene des Landes und wurde für die offen antisemitische Jobbik-Partei 2009 ins Europäische Parlament gewählt. Daneben vertrieb er T-Shirts mit rechten Motiven und war Gründer der Jobbik-Parteizeitung „Barikád“, die den Juden unter anderem eine „weltweite Verschwörung“ und „Ritualmorde“ vorwirft.


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Und täglich grüßt der Präsident

Zu Putins Amtsantritt ein Blick zurück: Dieses Cover veröffentlichte die „New Times“, eine russische Wochenzeitung, Ende Februar zur Präsidentenwahl. Die im Stil russischer Unterweltgestalten tätowierten Finger erzählen, sie gehörten „Wowa aus Piter“, sprich „Wladimir aus St. Petersburg“. Dieser Wowa tritt mit dem Segen der orthodoxen Kirche eine dritte Amtszeit an, als deren Symbole neben dem Kreml die Logos der Energieriesen Gasprom und Rosneft stehen. „Ob die Redakteure schon die Koffer packen?“, fragte ein Nutzer im russischen Internet, als der mutige Titel erschien. Noch jedenfalls wird das Magazin gedruckt.


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Spione im Schlafzimmer

Eigentlich schenkt man in Osteuropa Blumen zum Frauentag. Khadija Ismayilova aus Baku aber erhielt am 8. März einen Brief – darin eindeutige Fotos aus ihrem Schlafzimmer und die Warnung, sie werde „extrem bloßgestellt“, wenn sie ihre Recherchen über die Auslandsgeschäfte der Präsidentenfamilie nicht augenblicklich einstelle. Doch Ismayilova wäre nicht eine der bekanntesten investigativen Journalistinnen Aserbaidschans, wenn sie dazu geschwiegen hätte.


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Schrill, laut, dagegen: Pussy Riot

Foto: ru.wikipedia.org/Igor Muchin/cc-by-sa 3.0

Am spektakulärsten war ihr Auftritt auf dem Roten Platz. In knallbunten Strumpfhosen, mit Häkelmasken auf dem Kopf und der E-Gitarre in der Hand schrien acht Punkfrauen Ende Januar ihre Wut in den Moskauer Himmel: über die Verbrecher hinter den Kremlmauern, den allmächtigen Geheimdienst und den Männerbund der Macht in Staat und Kirche.


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Professor oder Popcorn-Verkäufer?

Tschechien sucht einen neuen Präsidenten. Die Bürger wählen ihr Staatsoberhaupt künftig direkt, das hat das Parlament kürzlich beschlossen. Zwar endet die Amtszeit von Vaclav Klaus erst 2013, doch die Medien spekulieren schon jetzt über einen Nachfolger. ostpol-Autorin Vladka Jelinkova hat ganz eigene Vorstellungen – und einen klaren Favoriten.


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unEiniges Russland: Deutlicher geht’s kaum

Gleich gegenüber der Kremlmauer, ein paar Schritte vom Roten Platz entfernt, fotografierte ein russischer Blogger heute Morgen dieses leuchtend gelbe Plakat: “Putin hau ab!”, steht darauf. Wie lange die freche Forderung dort hing, ist ungewiss. “Schade, dass er es nie lesen wird”, kommentierte ein anderer – dabei hätte Putin nur aus dem Fenster schauen müssen.


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Virtuelle Schranken und reale Probleme

Ganz und gar wird Belarus mit Sicherheit nicht von der digitalen Landkarte der Welt verschwinden, auch wenn das manch einer befürchten mag.

Doch ein neues Internet-Gesetz weist Nutzer einmal mehr in die Schranken.  Es erinnert an den strengen Erlass vom Juli 2010


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STATUS B. – Halsbrecherische Text-Baustellen

Wenn Sie als Journalist im Nordkaukasus kritisch berichten wollen, schlägt Ihnen der Chefredakteur vor, lieber etwas Positives zu schreiben – um „das Fass nicht zum Überlaufen zu bringen“ (s. Blogeintrag vom 12.12.). Dann bekommen Sie vom Buchhalter der Zeitung einen zerkratzen Fotoapparat, der offensichtlich schon einiges gesehen hat, (es ist der einzige Fotoapparat im Besitz der Redaktion), damit gehen Sie zu irgendeiner Baustelle, fotografieren eine hochkünstlerische Ansammlung frisch gemauerter Ziegelsteine, kehren daraufhin in die Redaktion zurück, geben dem Buchhalter den Fotoapparat zurück, setzen sich hin und schreiben irgendwas im Stil von:


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Wahlkampf, Bolschoi und Fremdenhass – Notizen aus Moskau

Zwischen Russland und Deutschland liegen nur 20 Minuten. Der Flieger hebt um 17.20 in Moskau ab und landet um 17.40 in Köln. Die drei Stunden, die die beiden Länder trennen, sind eine kurze Zeit. Ich nutze sie, um über Dinge nachzudenken, für die im hektischen journalistischen Alltag keine Zeit war. Vor drei Jahren hatte ich Russland verlassen, jetzt habe ich dort wieder anderthalb Monate verbracht. Hier sind die Dinge, die mir aufgefallen sind:

Fremdenhass als Alltagssache

Im November ist es sehr kalt in Moskau. Ich brauche unbedingt Einlegesohlen für meine Schuhe. Die findet man – wie allen anderen Kleinkram – in den Übergängen der Metro. Vor mir in der Schlange steht ein dunkelhaariger Mann, der mit Akzent Russisch spricht. Er kauft gleich zwei Paar und bittet die Verkäuferin um einen Preisnachlass. Die Oma reagiert mit einem Aufschrei: „Sogar die Russen feilschen nicht mit mir. Und wer bist du?“ – „Ich bin doch auch Russe. Ich lebe hier seit zehn Jahren“, sagt der Mann. „Egal wie lange du hier lebst, du wirst nie dazugehören. Du hast einen anderen Glauben“, erwidert die Oma und dreht sich weg.


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Warum Belarus unsexy ist…

…beschreibt das Freie Theater sprachgewaltig und bitterböse in seinem Stück „Minsk 2011“. In Belarus tritt die Gruppe nur im Untergrund auf, beim Edinburgh Theater Festival gewann sie im Sommer mit „Minsk 2011“ den 1. Preis.

Hier eine Kostprobe aus dem Stück, in dem europäische Politiker kaum besser wegkommen als die Mächtigen in Minsk – und bei dessen Schilderung gewalttätig aufgelöster Demonstrationen sich dem Zuhörer die Nackenhaare aufstellen.


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