Archiv des Autors: Dirk Auer

Über Dirk Auer

Sieben Jahre als freier Korrespondent in Sofia, seit 2013 in Belgrad, von wo aus er weiterhin über die verschiedenen Länder des Balkans berichtet. Davor Studium der Politikwissenschaften, Soziologie und Philosophie in Oldenburg und Bremen, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Soziologie und Sozialforschung der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Promotion (2003), Lehraufträge und freie journalistische Arbeit. Seit 2005 Hörfunk-Dozent bei einem freien Bildungsträger, seit 2006 n-ost Mitglied und Korrespondent.

Dieser Autor auf www.ostpol.de http://www.balkanbiro.org

Dialektik der europäischen Reisefreiheit

Ausreise verweigert

2009 war die Freude noch groß, als die EU die Visapflicht für die meisten Westbalkan-Staaten aufhob. Vorbei das stundenlange Anstehen vor den Botschaften, die unwürdigen Behandlungen und nicht zuletzt die hohen Gebühren. Doch schon bald darauf schrillten in Brüssel die Alarmglocken. Länder wie Deutschland, Belgien und Schweden hatten einen sprunghaften Anstieg der Asylbewerberzahlen festgestellt. Eine Minderheit nutzte die neue Reisefreiheit offenbar auf eigenwillige Weise – vor allem Serben und Mazedonier, und von ihnen waren so gut wie alle Roma.


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Highway to Hell – Fahrradfahren in Sofia

Fahrradfahren in Sofia – das war lange Zeit nur etwas für wirklich Hartgesottene. Ausländer oder Naturfreaks, für die das Fahrrad als Verkehrsmittel (angesichts zahlreicher Schlaglöcher auf der Straße und zugeparkter Gehwege) mehr ein Statement als praktisches Fortbewegungsmittel war. In den vergangenen Jahren hat sich die Situation jedoch leicht verbessert, nicht zuletzt aufgrund des steigenden Drucks einer größer werdenden Fahrradlobby, die auf jährlichen “Rallies” mit über 1000 Teilnehmern forderten, auch Zweirädrigen ein einigermaßen sicheres Fortbewegen in der Stadt zu ermöglichen. Und tatsächlich: 2008 wurde der erste Fahrradweg eingeweiht, und die Bürgermeisterin versprach wenig später ein weit verzweigtes Fahrradwegnetz – für ganz Sofia! Ob dafür die ersten EU-Mittel nun schon geflossen seien, fragte spöttisch ein Facebook-Nutzer angesichts der Bilder, die seit einigen Tagen durch die bulgarischen sozialen Netzwerke geistern?

 


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Betahaus goes East

Foto: MAX/Minko Minev

Bislang ist Sofia nicht unbedingt auf der Landkarte der globalen “digitalen Boheme” zu finden – dieser jungen Typen und kleinen “start ups”, bei denen es eigentlich egal ist, an welchem Ort in der analogen Welt sie gerade vor sich hintexten, -designen, -programmieren oder -bloggen und sich deshalb ihren Wohnort danach aussuchen, wo die Mieten billig und das Umfeld inspirierend ist. Was ein Fehler sein könnte, denn die bulgarische Hauptstadt hat einiges zu bieten: Die Mieten und Lebenshaltungskosten sind vergleichsweise noch immer niedrig, und in den vergangenen Jahren hat sich die Stadt rasant und zum Positiven entwickelt – nicht zuletzt durch die Bulgaren, die im Ausland studiert haben und nun mit neuen Ideen im Gepäck zurückkommen. Zwei von ihnen sind Alexander Mihaylov und Alexander Kitov. Und die wollen für die digitalen Nomanden und Selbständigen nun auch in ihrer alten Heimatstadt das passende Arbeitsumfeld schaffen. Das heißt: Nach Berlin, Hamburg und Köln bekommt auch Sofia sein Betahaus!


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Streetart in Nordkosovo

Gesehen in Nord-Mitrovica: Der serbische Präsident Boris Tadic mit der traditionellen Kopfbedeckung albanischer Männer, der “Plisi”. Hunderte dieser Plakate zieren zurzeit die Häuserwände und Kioske der Stadt. Der Künstler ist offenbar der Meinung, dass die serbische Regierung in der Kosovo-Frage zu viele Kompromisse eingeht, um den EU-Kandidatenstatus zu erhalten.


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Liebe Kollegen, so geht das nicht!

Anfang Dezember war ich wieder im Kosovo und saß im Büro eines Mitarbeiters der EU-Rechtsstaatsmission EULEX. Das Interview war beendet, und wir sprachen noch ein wenig über dies und das. Viel zu oft, waren wir uns einig, würden Journalisten in Unkenntnis von  Fakten berichten. Um das zu unterstreichen, klappte der EULEX-Mann sein Laptop auf. Und ich sah: einen Beitrag des deutschen Politmagazins “Kontraste”, gesendet am 31. Oktober 2011.


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Mein erstes Mal

Kosovo, so wird oft gesagt, ist ein „unfinished state“. Das stimmt. Kosovo ist so „unfinished“, dass auch die Grüne Versicherungskarte keine Gültigkeit hat. Wer also mit dem Auto in den Kosovo fahren will, und sei es nur für einen Tag, muss deshalb an der Grenze zunächst eine örtliche Kfz-Versicherung abschließen. Und damit es sich auch richtig lohnt, beträgt die minimale Versicherungsdauer 14 Tage. Neulich war es wieder soweit: Ich wollte von Sofia nach Montenegro und hatte mich für die Route über den Kosovo entschieden.


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#Protestiram in #Skopje

Ich war immer ein wenig skeptisch (und bin es eigentlich auch immer noch), was den Nutzen von „Twitter“ für Journalisten betrifft. Was, bitte schön, lässt sich mit 140 Zeichen überhaupt Interessantes mitteilen? Zum Beispiel dies: Anfang Juni wurde in Mazedonien „getwittert“, dass am Rande einer Parteiveranstaltung in Skopje ein junger Mann von einem Polizisten zu Tode geprügelt worden ist. Hundertfach wurde dieser Tweet (so heißen die Kurznachrichten) in kürzester Zeit „re-tweeted“, und am nächsten Tag schon demonstrierten etwa 150 junge Menschen, bevor die traditionellen Medien überhaupt über den Todesfall berichtet hatten. Die gaben dann sowieso erst einmal nur die offizielle Stellungnahme der Regierung wieder: Dem 22-jährige Martin Neskoski, sei übel gewesen, es habe sich um einen Unfall gehandelt – und vor allem: Es konnten keine Spuren von Gewalt gefunden werden.


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