Archiv des Autors: Gastblogger Ali T.

Über Gastblogger Ali T.

Ali T. arbeitete als Journalist im Nordkaukasus und recherchierte während des Tschetschenien-Kriegs als Stringer. Derzeit lebt er in Deutschland. Als Gast-Blogger auf blog.ostpol.de gibt Ali T. in regelmäßigen Abständen Einblick in den journalistischen Alltag im Nordkaukasus, seine Situation in Deutschland und das lange Warten auf die Anerkennung des „Status Beschenza“ (Flüchtlingsstatus).

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STATUS B. – “Brillante” Aktionen

In Inguschetien wurde vor einigen Tagen eine, wie der russische Geheimdienst zu sagen pflegt, „brillante Anti-Terror-Operation“ durchgeführt: Am helllichten Tag wurden unter zahlreichen Zeugen fünf Pkw-Insassen mit Maschinengewehren erschossen. Eine halbe Stunde später ging das Fahrzeug mitsamt den Leichen in die Luft, wahrscheinlich aufgrund eingebauter Sprengsätze.

Sofort erfolgte eine heroische Pressemitteilung des Nationalen Anti-Terror-Komitees, in der  mitgeteilt wurde, dass in Inguschetien dank des bewaffneten Widerstands Terroristen getötet wurden, die schreckliche Anschläge geplant hätten. Nur erwähnte das Anti-Terror-Komitee nicht, dass sich unter den Getöteten eine 53-jährige Frau befand und dass es jede Menge Augenzeugen gab.  


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STATUS B. – Teurer Handschlag mit Putin

Putin hatte sich gründlich auf die Wahlen vorbereitet: Er küsste Fische, feilte in der Sporthalle an seinem Image, indem er seine Bizepse und Trizepse trainierte, ließ sich Botox spritzen, tauchte nach Amphoren und übte seinen Tränenausbruch für den Sieg. Es war eigentlich allen klar, dass er nicht vor hatte, die nächste Präsidentschaft aus der Hand zu geben.


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STATUS B. – Warten auf ein Wunder

Am 29. Februar haben Unbekannte Murad Jandijew entführt, einen Mitarbeiter der inguschetischen Menschenrechtsorganisation „Maschr“. Leiter der Organisation ist der Bürgerrechtler Magomed Mutsolgow. An dieser Stelle möchte ich gleich anmerken, dass Mutsolgow der eigenen Aussage nach wiederholt von Rechtsschutz-Mitarbeitern und Vertretern der örtlichen Behörden bedroht wurde. Sie versuchten mit aller Gewalt, die Arbeit der Organisation „Maschr“ zu stören.


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STATUS B. – Kopfgeburten

Als ich 15, 16 Jahre alt war, hatte ich ständig Kopfschmerzen. Kein Arzt konnte mir helfen, kein Medikament zeigte Wirkung. Da meinte ein alter Mann: „Gebt ihm ein Blatt Papier und einen Stift. Er muss zeichnen!“ 


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STATUS B. – Halsbrecherische Text-Baustellen

Wenn Sie als Journalist im Nordkaukasus kritisch berichten wollen, schlägt Ihnen der Chefredakteur vor, lieber etwas Positives zu schreiben – um „das Fass nicht zum Überlaufen zu bringen“ (s. Blogeintrag vom 12.12.). Dann bekommen Sie vom Buchhalter der Zeitung einen zerkratzen Fotoapparat, der offensichtlich schon einiges gesehen hat, (es ist der einzige Fotoapparat im Besitz der Redaktion), damit gehen Sie zu irgendeiner Baustelle, fotografieren eine hochkünstlerische Ansammlung frisch gemauerter Ziegelsteine, kehren daraufhin in die Redaktion zurück, geben dem Buchhalter den Fotoapparat zurück, setzen sich hin und schreiben irgendwas im Stil von:


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STATUS B. – Nackte Frauen im Notizblock

Waren Sie schon mal im Nordkaukasus? Es gibt dort hohe, wunderschöne, raue Berge und nicht weniger raue Gesetze. Ich kann Ihnen sagen, nicht jeder ist für diesen Ort gemacht. Um dort zu überleben, oder gar zu bestehen, braucht man einen sehr starken Charakter – oder überhaupt keinen. Wenn man Journalist ist – und gar Journalist einer staatlichen Zeitung (und andere gib es ganz einfach nicht) – dann kann man in diesen rauen Bergen nur überleben, wenn man sich jedes Charakters entledigt hat.


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STATUS BESCHENZA – Flüchtlingsstatus

Wissen Sie, was das heißt, ein Flüchtling zu sein in Europa? Nein, wahrscheinlich wissen Sie es nicht. Wollen Sie durch die Augen eines Flüchtlings aus dem Nordkaukasus auf die Welt und auf sich selbst blicken? Wollen Sie das Leben eines Flüchtlings kennenlernen? Das ist nicht weniger faszinierend als ein Besuch im Zoo – und obendrein noch kostenlos. Völlig umsonst – im wahrsten Sinne des Wortes – schenke ich Ihnen aus ganzem, in drei Kriegen verhärtetem Herzen großzügig das Recht Ihre müßige Neugier zu befriedigen und Ihr angebliches und tatsächliches Gutmenschentum herauszufordern.


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