Hoffnung trotz Zeman

Zeman und SchwarzenbergToll, nochmal fünf Jahre mit einem arroganten Präsidenten, und diesmal auch noch mit einem richtigen Grobian. Und ich habe mich schon auf einen wirklich neuen Präsidenten nach Klaus gefreut. (Das einzig Positive aus meiner sicht ist, dass Zeman die europäische Idee unterstützt).

Schwarzenberg hat mehr als 45 Prozent bekommen. Das ist gar nicht so wenig, wenn man bedenkt, dass Aristokraten, Katholiken, Emigranten und Leute mit deutschen oder österreichischen Wurzeln in Tschechien nie sonderlich beliebt waren. Die Wahlkampf Zemans, in dem er vor den Sudetendeutschen warnte, war schmuzig. Aber das war sicher nicht das Einzige, was zu Schwarzenbergs Niederlage führte. Schwarzenberg gehört der unbeliebtesten Regierung seit 1990 an und ist mit dem sehr zweifelhaften Finanzminister Kalousek in einer Partei (Schwarzenberg ist sogar sein Chef, aber oft sieht es anders aus).

Für viele Leute waren die Wahlen ein Protest gegen die Regierung, gegen die wirtschaftliche und politische Situation, aber kein Protest gegen die Sudetendeutschen, wie diese Landkarte mit den Wahlergebnissen in allen tschechischen Städten zeigt.

Die Resultate sind also nicht tragisch. Und Demokratie beruht nicht auf einem Mann oder einer Frau, sie basiert auf einer aktiven Zivilgesellschaft. In diesem Sinne haben die Tschechen ihre Chance auf positive Änderung noch nicht verpasst. Im Gegenteil – die Zivilgesellschaft wird immer aktiver, wie diese Wahlen gezeigt haben.

Über Vladka Jelinkova

Ich bin eine Journalismus- und Tiermedizinstudentin (Ich weiß, eine sehr sonderbare Kombination. Ich bin sicher die einzige in Tschechien, vielleicht auch in Europa). Ich studierte am Österreichischen Gymnasium in Prag, da began mein Interesse an den deutsch/österreichisch-tschechischen Beziehungen. Anschließend studierte ich noch ein Jahr in den USA, ein Semester in Ljubljana, ein Semester in Paris und ein Semester in Dresden. Und jetzt befinde ich mich wieder zwischen Prag und Brünn.

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Eine Antwort auf Hoffnung trotz Zeman

  1. Monika und Manfred Jauß sagt:

    Haben gestern im DRADIO den Beitrag über Euern Ostpol gehört.
    Jetzt sind wir dabei. Total begeistert. Das ist genau der Stoff, den wir brauchen. Ostpolland zieht uns in seinen Bann, seit wir 1981 Kontakt mit der Folkloregruppe “Zerotin” aus Straznice hatten, woraus sich eine bis heute andauernde Freunschaft entwickelt hat – eine Freundschaft, in die inzwischen schon die Enkel der damaligen Erstfreunde einbezogen sind.
    Vielen der damals noch ganz jungen Leute – Tänzerinnen und Tänzer
    eben – haben wir hier Praktikumsplätze und ähnliches vermitteln können. Der hauptsächliche Zweck war das Erlernen und Vertiefen der deutschen Sprache. Kommt uns natürlich bei unseren heutigen
    Besuchen dort zu gute. Wir haben es leider nie geschafft, die tschechisch
    Sprache zu erlernen – aber viele der in Südmähren “beheimateten”
    Lieder zu singen. “Das ist auch viel wichtiger”, sagte uns anläßlich eines Pressetermins in HH am 8. Februar, 1988, Dr. Jozef Hajek, einer der damaligen zweiten Bürgermeister von Prag. Als Kulturbotschafter hatte er Jiri Pavlica samt “Hradistan” im Gepäck. Wurde noch`n toller Abend.
    Und immer wieder zieht es uns nach Straznice zum Mezinarodni Folklorni Festival am letzten Juniwochenende, so auch dieses Jahr.
    Das ist wirklich ein Ereignis über das zu berichten es sich lohnt.
    Uswuswusw… es wäre noch so viel zu sagen – doch für heute ist Schluß.
    m. + M. aus dem hohen Norden Deutschlands