Vaterlandsverteidiger heraus zum 23. Februar!

Seit 1922 feiert Russland den “Tag des Vaterlandsverteidigers”, formerly known as “Tag der Roten Arbeiter- und Bauernarmee”. Das Datum geht zurück auf den 23. Februar des Jahres 1918, der als tatsächliche Geburtsstunde der Roten Armee gesehen wird, weil die russischen Einheiten den vorrückenden Deutschen erst ab diesem Tag wirklichen Widerstand entgegensetzten.

Und heute? Wird allen russischen Männern gratuliert, egal ob sie nun gedient haben – oder sich wie besonders viele Städter mit einer saftigen Bestechungsgebühr vor dem Dienst gedrückt haben. Der Präsident schwingt patriotische Reden, im Fernsehen laufen patriotische Filme. Und die Männer betrinken sich natürlich.

Fotografen bieten an diesem Tag, wie hier in einem Kindergarten im schönen Städtchen Kaluga, besondere Fotomotive an: Wer wollte nicht seinen vierjährigen Zögling mal in der Uniform eines Elitekämpfers sehen? Besonders delikat übrigens, dass es sich bei der ganzen Aufmachung um keine russische handelt: “Wsjo NATO-wskoje”, meinte ein entrüsteter Vater. Die Uniform, das Gewehr, der Hubschrauber sind amerikanisch.

Und natürlich lernen die Mädels an diesem Tag auch Gedichte auswendig, die sie ihren zukünftigen Vaterlandsverteidigern vortragen. Meine Tochter etwa wird heuer deklamieren: “Es weinet nicht der Grenzschützer, auch der Raketensoldat weinet nicht, wenn er auch hinfällt und sich das Knie aufschürft.”

Ach so – die Bilder mit den Mädels sind übrigens für den von Clara Zetkin begründeten Frauentag bestimmt, der in Russland am 8. März groß begangen wird.

Über Moritz Gathmann

Geboren in Göppingen 1980. Studium der Russistik und Geschichte in Berlin, dann Volontariat beim Tagesspiegel. Dann abgedriftet nach Moskau. Nach eineinhalb Jahren Quälerei in dieser ungemütlichen Stadt ins provinzielle Kaluga umgezogen. Seitdem habe ich Russland besser kennengelernt und schreibe darüber in Frankfurter Allgemeiner Sonntagszeitung, Tagesspiegel, 11freunde, Architectural Digest, Spiegel usw. usf.

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