Professor oder Popcorn-Verkäufer?

Tschechien sucht einen neuen Präsidenten. Die Bürger wählen ihr Staatsoberhaupt künftig direkt, das hat das Parlament kürzlich beschlossen. Zwar endet die Amtszeit von Vaclav Klaus erst 2013, doch die Medien spekulieren schon jetzt über einen Nachfolger. ostpol-Autorin Vladka Jelinkova hat ganz eigene Vorstellungen – und einen klaren Favoriten.

Es ist die größte Verfassungsänderung in Tschechien seit 20 Jahren: Künftig wählt nicht mehr das Parlament den Staatspräsidenten, sondern das Volk ganz direkt. Gegner dieser Entscheidung – darunter die Mehrheit der Politologen – fürchten, dies könne die Politikverdrossenheit der Menschen nur noch vergrößern, da der Präsident nur repräsentiert und keine wichtigen Kompetenzen besitzt. Doch auch die Befürworter der Direktwahl verweisen auf die Frustration im Volk und zitieren Umfragen, nach denen die Mehrheit der Tschechen, der korrupten Parteipolitik überdrüssig, sich die Direktwahl wünscht. Künftig darf sich als Kandidaten aufstellen lassen, wer durch mindestens 20 Abgeordnete oder Senatoren unterstützt wird – oder aber durch 50.000 Wahlberechtigte.

Außenminister Karel Schwarzenberg sowie der frühere Regierungschef und jetzige Vizepräsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Jan Fischer,haben bereits ihre Kandidatur angekündigt. Aber auch der Ökonom Jan Švejnar ist im Gespräch, genau wie Tomio Okamura, ein tschechisch-japanischer Unternehmer und Vizepräsident der Vereinigung tschechischer Reisebüros. Online-Umfragen sehen Fischer und Okamura vorn.

Ich persönlich würde viel lieber Jan Švejnar auf der Prager Burg sehen: einen gebildeten, weltoffenen Professor der Michigan University, einen Menschen mit hohem moralischen Ansehen. Auch Schwarzenberg wäre vielleicht ein guter Präsident – aber er hat einfach schon zu große gesundheitliche Probleme.

Fischer hingegen wirkt etwas charakterlos, er will sich niemanden zum Feind machen. Fragen nach seinen außenpolitischen Ideen für Tschechien oder den Beziehungen zu Deutschland weicht er in Interviews aus. Dabei ist die Außenpolitik eines der wichtigsten Betätigungsfelder des Präsidenten. Und nach acht Jahren Klaus-Katastrophe braucht die Tschechische Republik dringend jemanden, der ihr Bild in der Welt verbessert und nicht auf zwei oder gar drei Gleisen hin und her laviert, wie dies momentan Präsident Klaus, Ministerpräsident Nečas und Außenminister Schwarzenberg tun.

Kandidat Tomio Okamura präsentiert sich bisher populistisch: mit rassistisch angehauchten Artikeln – einigermaßen paradox für einen Japaner –, mit einem bescheiden daherkommenden Buch „Die Kunst der Herrschaft“ und mit Selbstdarstellung à la: „Ich bin ein gewöhnlicher japanischer Bube aus Mähren. Ich bin wie Ihr, ein ganz normaler Mensch. Ich mag keine faulen Zigeuner und Leute, die sich nicht anpassen können. Ich weiß, was harte Arbeit ist, schließlich habe ich selber lange genug als Müllmann und Popcornverkäufer in Tokio gearbeitet.“ Fazit: Einerseits verspräche ein Präsident Okamura eine gute Komödie – andererseits bin ich nicht sicher, ob wir Tschechen unbedingt immer die Meister der Komödie sein müssen, besonders in der Politik.

Vielleicht kommen ja auch noch ganz andere Kandidaten ins Spiel. Die Namen der Europa-Abgeordneten Zuzana Roithová und Jana Bobošíková schwirren durch den Raum – oder der der Ehefrau des jetzigen Präsidenten, Livia Klausová. Aber das ist hoffentlich wirklich nur ein Witz. Sonst beweist es einmal mehr, dass es in Tschechien immer noch komischer geht als man meint – oder eben tragikomischer.

Über Vladka Jelinkova

Ich bin eine Journalismus- und Tiermedizinstudentin (Ich weiß, eine sehr sonderbare Kombination. Ich bin sicher die einzige in Tschechien, vielleicht auch in Europa). Ich studierte am Österreichischen Gymnasium in Prag, da began mein Interesse an den deutsch/österreichisch-tschechischen Beziehungen. Anschließend studierte ich noch ein Jahr in den USA, ein Semester in Ljubljana, ein Semester in Paris und ein Semester in Dresden. Und jetzt befinde ich mich wieder zwischen Prag und Brünn.

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Eine Antwort auf Professor oder Popcorn-Verkäufer?

  1. Grzegorz Wasiluk sagt:

    Was dort oben geschrieben ist ist ein böser Witz, nichts mehr. Wo haben Sie diese angebliche Belegstelle von Okamura gefunden? Na ja, wer Tschechisch kennt, der wird sich seine eigene Meinung über wirkliche Ansichten deises Bürgers der Tschechischen Republik bilden können. Man fragt sich was in allgemeinen man weiß hier überhaupt über Osteuropa?

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