unEiniges Russland: Berliner Karneval für freie Wahlen

Die Demo an 4. Februar in Berlin

Die Demo an 4. Februar in Berlin

Demonstrationen für freie Wahlen haben am 4. Februar nicht nur in Russland, sondern auch in vielen Städten im Ausland stattgefunden. Eine der größten Russland-Demos gab es in Berlin. Wer organisiert die Proteste im Ausland? Und warum?

In einer Studenten-WG in Berlin-Mitte haben sich fünf junge Menschen versammelt. Sie haben eins gemeinsam: Sie kommen aus Russland und leben seit Jahren in Deutschland. Zlata sitzt auf dem Boden und malt ein Plakat. Alexander probiert den eben erst gekauften Lautsprecher aus. Ilya schneidet Masken aus. In der Ecke steht eine Russland-Flagge. Auf dem Tisch liegen Schere, Stifte und Klebeband. Es sieht ein wenig nach einer Bastelstunde im Karnevalsverein aus. Tatsächlich wird hier ein Karneval vorbereitet: Ein politischer Karnevalsumzug durch Berlin für freie Wahlen in Russland. „Das Format passt gut zu dem politischen Spektakel, das sich momentan in Russland abspielt“, sagt der 31-jährige Alexander Formozov, der an der Humboldt-Uni studiert.

Der Dichter Ilya Ryvkin hatte die Idee, Dutzende Masken von Wladimir Putin zu basteln. Er hält sie in der Hand und sagt: „Das zeigt, dass uns eine gute Wahl mit einem breiten Spektrum an Kandidaten bevorsteht. Wir können Putin wählen oder Wladimir Wladimirowitsch Putin. Oder diesen Putin hier. Oder jenen!“  Alle lachen. Konstantin kommt herein: „Gute Nachrichten: Der RBB wird über uns berichten. Die dpa schickt auch einen Reporter. Hat jemand von euch ein iPhone, damit wir eine Schalte mit TV-Rain in Moskau machen können?“ Der 24-Jährige ist bei der Demo-Organisation für die Presse zuständig.

Die jungen Russen haben sich im Dezember kennen gelernt, als mehrere von ihnen gleichzeitig eine Demonstration für freie Wahlen in Russland bei der Berliner Polizei anmelden wollten. Seitdem bleiben sie in Kontakt: auf Facebook oder wie an diesem Februar-Abend in der Berliner WG. Ich habe Alexander Formozov gefragt, warum er bei den Berliner Demos für freie Wahlen in Russland mitmacht.

Hier seine Antwort (Audio)

Über Olga Kapustina

Olga schreibt Artikel und produziert Radio- und TV-Beiträge über Osteuropa, vor allem über Belarus und Russland. Am liebsten schreibt sie über Politik, Bildung, Umwelt, Migration und Kultur. Als Volontärin der Deutschen Welle macht sie seit September 2010 journalistische Stationen in Bonn, Berlin und Moskau. Olga Kapustina spricht Deutsch, Russisch, Belarussisch und Englisch. Sie studierte Journalistik und Germanistik in St. Petersburg, Dortmund und Essen.

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2 Antworten auf unEiniges Russland: Berliner Karneval für freie Wahlen

  1. Ina sagt:

    Ich bin sehr gespannt auf die kommenden Wahlen am 4. März und werde den Ausgang gespannt beobachten, wobei das Wahlergebnis wohl nicht überraschen wird. Russland befindet sich momentan in einer gesellschaftlichen Krise. Ein Buch von einem russischen Autoren, das ich gerade gelesen habe, stellt sich die Frage, wo die russische Gesellschaft heute steht. Es lässt sich nur schwer beurteilen, ob die Bevölkerung in Zukunft weiter der Propaganda in den Medien verfallen wird oder das Internet und seine kritische Berichtserstattung etwas verändern können (wenn vielleicht auch nicht bei diesen Wahlen).

  2. Andreas sagt:

    Es ist in jedem Fall wichtig, dass Menschen in Russland zeigen, dass sie mit der politischen Situation nicht mehr einverstanden sind. Dass sich Russland eben endlich mal uneinig ist! Nach den Wirren der 1990er haben sich die Wähler eine starke Führungsfigur gewünscht, doch jetzt merken viele, dass es mit dem System Putin nicht mehr vorangeht.

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