Unser Vater hat uns verlassen

Václav Havel, der ehemalige Präsident Tschechiens, ist am Sonntag in die Ewigkeit eingegangen. Ich weine noch, wenn ich diesen Text schreibe. Havel symbolisierte für mich Demokratie, Mut, moralische Werte, die Rückkehr nach Europa und die westliche Kultur.

Seine Zusicherung, dass Wahrheit und Liebe über Lüge und Hass siegen müssen, hat mich durch meine Kindheit begleitet. Es scheint mir, dass nicht nur ein großer Mensch von uns gegangen ist, sondern dass mit seinem Abschied auch meine Kindheit und die Kindheit unserer Demokratie endet.
Václav Havel war wie unser Vater, ein sehr guter Vater, den wir vielleicht gar nicht verdient haben. Er begleitete uns durch unsere Kindheit, er sagte uns ganz banale Sachen, die aber der Wahrheit entsprachen: „Man soll nicht lügen und stehlen. Man soll nicht Sachen machen, nur weil man denkt, dass sie einem Gutes bringen werden. Man soll sie tun, weil sie gut sind.“

Jetzt ist er gegangen, wie Väter ihre Kinder verlassen, wenn sie erwachsen sind. Und ich hoffe nur, dass sein Nachlass in uns weiterleben wird – nicht nur in uns, Tschechen, sondern in allen Menschen dieser Welt.

Pravda a láska musí zvítězit nad lží a nenávistí!”

Tschechen trauern

 

 

 

Über Vladka Jelinkova

Ich bin eine Journalismus- und Tiermedizinstudentin (Ich weiß, eine sehr sonderbare Kombination. Ich bin sicher die einzige in Tschechien, vielleicht auch in Europa). Ich studierte am Österreichischen Gymnasium in Prag, da began mein Interesse an den deutsch/österreichisch-tschechischen Beziehungen. Anschließend studierte ich noch ein Jahr in den USA, ein Semester in Ljubljana, ein Semester in Paris und ein Semester in Dresden. Und jetzt befinde ich mich wieder zwischen Prag und Brünn.

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