Monatsarchive: Dezember 2011

Abschied von Václav Havel

Mehr als 10.000 Menschen haben heute Abschied von Václav Havel genommen. Sogar die slowakische Nationalflagge war zu sehen. Die Atmosphäre war sehr bewegend. Als die Pferde den Sarg zur Prager Burg brachten, begannen die Menschen spontan zu klatschen und mit den Schlüsseln zu klingeln – ein Symbol der Samtenen Revolution, deren Held Václav Havel war.


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Unser Vater hat uns verlassen

Václav Havel, der ehemalige Präsident Tschechiens, ist am Sonntag in die Ewigkeit eingegangen. Ich weine noch, wenn ich diesen Text schreibe. Havel symbolisierte für mich Demokratie, Mut, moralische Werte, die Rückkehr nach Europa und die westliche Kultur.

Seine Zusicherung, dass Wahrheit und Liebe über Lüge und Hass siegen müssen, hat mich durch meine Kindheit begleitet. Es scheint mir, dass nicht nur ein großer Mensch von uns gegangen ist, sondern dass mit seinem Abschied auch meine Kindheit und die Kindheit unserer Demokratie endet.


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Der illegal Verurteilte

Die Geschichte eines der jüngsten politischen Gefangenen von Belarus

Mikita Likhavid, eine Woche nach der Freilassung. Quelle: 34mag.net

Mikita Likhavid ist 21 Jahre alt. Er hat kurzes helles Haar. Seine Augen sind umgeben von dunklen Augenrändern. „Ich schlafe zu wenig und rauche zu viel“, sagt er. Bei Mikita stimmt etwas nicht. Bereits seit einem Jahr.

Der 19. Dezember 2010 war ein schicksalsträchtiger Tag im Mikitas Leben. Die Ereignisse jenes Sonntags haben sich in seinem Gedächtnis eingebrannt.  Er wacht gegen 14 Uhr auf. Ein Freund von ihm klingelt an der Tür. Die beiden gehen zum Wahllokal um abzustimmen. An diesem Tag findet die Präsidentenwahl in Belarus statt. Auf dem Weg zurück treffen sie eine ehemalige Mitschülerin, plaudern eine Weile mit ihr. Es ist windig und frostig. Die Jungs gehen nach Hause Fußball gucken. Gegen 19 Uhr brechen sie auf: Der Freund nach Hause und Mikita zum Oktoberplatz, auf dem eine Demonstration gegen die Wahlfälschung stattfinden soll. „Ich wollte nur kurz gucken, was passieren wird, und bald zurückkommen“, sagt Mikita. Er wird seinen Freund das nächste Mal erst neun Monate später sehen.


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Liebe Kollegen, so geht das nicht!

Anfang Dezember war ich wieder im Kosovo und saß im Büro eines Mitarbeiters der EU-Rechtsstaatsmission EULEX. Das Interview war beendet, und wir sprachen noch ein wenig über dies und das. Viel zu oft, waren wir uns einig, würden Journalisten in Unkenntnis von  Fakten berichten. Um das zu unterstreichen, klappte der EULEX-Mann sein Laptop auf. Und ich sah: einen Beitrag des deutschen Politmagazins “Kontraste”, gesendet am 31. Oktober 2011.


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STATUS B. – Nackte Frauen im Notizblock

Waren Sie schon mal im Nordkaukasus? Es gibt dort hohe, wunderschöne, raue Berge und nicht weniger raue Gesetze. Ich kann Ihnen sagen, nicht jeder ist für diesen Ort gemacht. Um dort zu überleben, oder gar zu bestehen, braucht man einen sehr starken Charakter – oder überhaupt keinen. Wenn man Journalist ist – und gar Journalist einer staatlichen Zeitung (und andere gib es ganz einfach nicht) – dann kann man in diesen rauen Bergen nur überleben, wenn man sich jedes Charakters entledigt hat.


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Russische Arithmetik


Ohne Kommentar: Das russische Fernsehen vermeldet am Sonntagabend die Ergebnisse der Parlamentswahlen. Einfach mal zusammenrechnen.


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Wahlkampf, Bolschoi und Fremdenhass – Notizen aus Moskau

Zwischen Russland und Deutschland liegen nur 20 Minuten. Der Flieger hebt um 17.20 in Moskau ab und landet um 17.40 in Köln. Die drei Stunden, die die beiden Länder trennen, sind eine kurze Zeit. Ich nutze sie, um über Dinge nachzudenken, für die im hektischen journalistischen Alltag keine Zeit war. Vor drei Jahren hatte ich Russland verlassen, jetzt habe ich dort wieder anderthalb Monate verbracht. Hier sind die Dinge, die mir aufgefallen sind:

Fremdenhass als Alltagssache

Im November ist es sehr kalt in Moskau. Ich brauche unbedingt Einlegesohlen für meine Schuhe. Die findet man – wie allen anderen Kleinkram – in den Übergängen der Metro. Vor mir in der Schlange steht ein dunkelhaariger Mann, der mit Akzent Russisch spricht. Er kauft gleich zwei Paar und bittet die Verkäuferin um einen Preisnachlass. Die Oma reagiert mit einem Aufschrei: „Sogar die Russen feilschen nicht mit mir. Und wer bist du?“ – „Ich bin doch auch Russe. Ich lebe hier seit zehn Jahren“, sagt der Mann. „Egal wie lange du hier lebst, du wirst nie dazugehören. Du hast einen anderen Glauben“, erwidert die Oma und dreht sich weg.


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Planwirtschaft statt Marktreformen

Ein weiteres europäisches Land befindet sich ein einer schweren wirtschaftlichen Krise: Belarus hat in den letzten Monaten mehrere traurige Rekorde gesammelt: Höchste einmalige Währungsabwertung seit 1990 weltweit, Spitzenwert bei der Inflationsgeschwindigkeit (105 Prozent in zehn Monaten laut Schätzungen des nationalen Statistik-Komitees) und weltweit höchster Diskontsatz unter den Zentralbanken. Die Lage ist sehr ernst und hat innerhalb der Regierung zu Meinungsverschiedenheiten geführt, wie sie das Land jahrelang nicht gesehen hat.


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